Verein


Vor zehn Jahren werfen Scheinwerfer zum ersten Mal ihr grelles Rampenlicht auf junge weibliche Talente in Musical-Garde-robe. Ein Damen-Quartett steht in der Aula des Betzdorfer Gymnasiums auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Die Zuschauer applaudieren für Programm-Extrakte aus Cats, ein Jahr darauf für Starlight-Express und schließlich nicht mehr nur für halbe Sachen: "Grease" ist auf dem Bühnenparkett zu sehen. Komplett und in einer eigenen Veranstaltung. Wie das Programm, die Requisitenkammer und der Kostümschrank wachsen Aufwand und Personal. Frau tauft sich "Musical-Girls on Stage" und tauscht die Aula gegen das Daadener Bürgerhaus. Über 3000 Augenpaare verfolgen acht Vorstellungen.

Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 2000. Im Januar gründet gleiches Musical-Ensemble einen Verein und tauft ihn Musical!Kultur Daaden. Die Frauenquote bleibt überproportional hoch, aber man(n) entdeckt auch seine Tanz-, Musik- und Theater-Stärken. Die Mitgliederzahlen wachsen mit den Terminen regelrecht um die Wette. Mit knapp 50 jungen Menschen hat sich die Zahl der Darsteller verdoppelt. Kulissen und Kostüme werden noch professioneller gefertigt – natürlich Marke Eigenbau. Strukturell gewinnt Musical!Kultur ebenfalls an Gewicht. Der Eintrag im Vereinsregister und die Löwen-Motivation bilden eine Plattform für den vollen Kalender im Gründungsjahr. Die erste Musical-Gala unter Vereinsflagge setzt neue Maßstäbe, verbunden mit einem Bühnenprogramm in Frankreich und Belgien.

Mit eigenem Chor, Orchester und Kulissenwerkstatt meldet sich Musical!Kultur 2001 in der Öffentlichkeit zurück. Daadens Musiktheater-Spezialisten repräsentieren sogar den Landkreis Altenkirchen beim Rheinland-Pfalz-Tag in Landau. Kriminalpräventiv agiert Musical!Kultur beim Veranstaltungsprojekt EASI des Landes-kriminalamts. Ein Musical-Workshop steht auf dem Ferienspaß-Programm und fast 70 Heranwachsende auf der Teilnehmerliste. In Stuttgart (Tanz der Vampire, Cats), Bremen (Jekyll and Hyde) und Hamburg (Das Phantom der Oper) lassen sich die jungen Könner von ihren Profi-Kollegen beeindrucken. Und Musical!Kultur Daaden muss nicht lange neue Träume suchen: Seit beinahe zwölf Monaten laufen die Vorbereitungen für die eigene Produktion von "Tanz der Vampire". Schließlich präsentiert der Verein erstmals ein kompromissloses Live-Programm. Nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den französischen Nachbarn. Daran schließt sich die Musical-Gala "2002. Nacht" an, die ausverkauft dreimal in Daaden und zweimal in Niederfischbach über die Bühne geht. 1500 Kilometer von der Daadener Bühne entfernt steigen 75 Mitwirkende im irischen Galway aus dem Reisebus, um im Town Hall Theatre ihr englischsprachiges Publikum zu begeistern. Außerdem reist ein Bus zur Stippvisite bei den Musicalprofis von "Mozart" in die Hansestadt Hamburg.
Professionell beginnt das Kalenderjahr 2003 – mit dem ersten großen Casting in der Vereinsgeschichte. "Fame" steht auf dem Spielplan. Musical!Kultur stellt mit vierfach ausverkauftem Haus in Betzdorf den Stadthallen-Rekord auf, an die sich zwei ausverkaufte Aufführungen in Altenkirchen und zwei weitere in Niederfischbach anschließen. Elf Tage sind 125 Menschen unter Vereinsflagge nach Irland unterwegs, um auf der weltgrößten Kreuzfähre  "Pride of Hull" sowie im Town Hall Theatre in Galway noch einmal "Fame" zu kredenzen.

Zähes (Verbal-)Ringen mündet Ende 2003 in Einigkeit, als der Vorstand Aufführungsrechte für "Die Schöne und das Biest" unterschreibt. Das seinerzeit teuerste und größte Musical der Vereinsgeschichte toppt sogar den Fame-Aufwand. Zäsur bei den Vorbereitungen: Im April bewegen sich fünf große Fahrzeuge mit 140 Menschen und Lkw-Fracht zur letzten Fame-Aufführung in Frankreich. Neue Ticket-Software, PR-Konzepte, Bühnen-
Architektur und die Herausforderung von sieben Aufführungen auf den Bühnenparketts in Betzdorf und Altenkirchen erwarten die Musical-Crew – und finden mit 6.500 Zuschauern ihre wohlverdiente Antwort. Eine Kooperation mit der türkischen Universität Denizli führt die Schöne, das Biest und ihre Mitwirkenden sogar auf dem Luftweg nach Asien.

Beinahe schon in der Gegenwart: "Sofies Welt" avanciert 2005 für etliche Verantwortliche und ihre 180-köpfige Crew zum (unbezahlten) Hauptberuf. Zeitparallel stehen die Schöne und ihr
Biest mit zwei weiteren Auflagen im Scheinwerferkegel – in Köln und in Fontenay le Fleury (Frankreich). Zurück zu Sofie: Unter der Sommersonne rollt – landesweit sichtbar – eine Stahlkugel als überdimensionale Werbeträgerin über den Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Ems. Schließlich applaudieren innerhalb von acht Monaten knapp 10.000 Menschen in Betzdorf und Altenkirchen dem philosophische Musical. Ununterbrochen laufen seitdem die Vorbereitungen für "Dracula". 22 Monate stehen auf dem Probenplan, der fast schon wieder sein Finale feiert. Ein eigenes Artwork wird geschaffen, die nächste Homepage geht online, der Kultursommer Rheinland-Pfalz bewilligt eine  Schwerpunkt-
Förderung und die Westerwaldtouristik schnürt Hotelpackages. In einer ehemaligen Fabrikhalle bekommen die Techniker ein gemeinsames Dach mit den Logistikern, auf dass Dracula dort adäquat vorbereitet werden kann. Neue Rekorde sind längst avisiert, samt Vorbühne, Brücke, Wendeltreppe, Merchandising-
Shop und meterlangem Werbe-Trailer. Schnell noch lädt Musical!Kultur zur Dracula-Vernissage in Schloss Friedewald, kürt in der Stadthalle Betzdorf die Gewinner eines Senioren-
Kreativwettbewerbs und lässt dann den Obervampir den schweren Produktionsvorhang beiseite schieben. Vorerst fürs untote Volk in Westerwald und Siegerland. Danach stehen Aufführungen in der Türkei und in Frankreich auf dem Kalender, was nicht nur in Transportfragen mit einem erheblichen Aufwand für die inzwischen über 200 Ehrenamtlichen verbunden ist . . .  Da capo al fine.

 

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